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7 ein­fa­che Schrit­te zum Sport für Unsportliche

Wie du mit Sport beginnen kannst, auch wenn du dich nicht wie „ein Sporttyp“ fühlst.
Foto: Huu Thong

Sport liegt nicht sofort jeder oder jedem, aber er ist eine aus­ge­zeich­ne­te Mög­lich­keit, mit dir ins Rei­ne zu kom­men, kör­per­lich und men­tal. Sport hilft erwie­se­ner­ma­ßen als Stim­mungs­auf­hel­ler, dage­gen kannst du dich nicht ein­mal weh­ren, wenn du Sport treibst. Damit ist Sport bes­te Depres­si­ons­prä­ven­ti­on und Mus­keln und Zeit­ver­treib gibt es noch extra oben drauf – und von den gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen ganz zu schweigen! 

Sport hat so vie­le posi­ti­ve Effek­te auf Kör­per und Geist, dass man fast auf das bes­te Gegen­ar­gu­ment ver­gisst: den inne­ren Schwei­ne­hund. Was kannst du tun, um ihn zu über­win­den und die posi­ti­ven Effek­te von Sport zu nut­zen? Spoi­ler: Lei­der geht es tat­säch­lich nicht ohne Sport. 

Den Ein­stieg kannst du dir aber so ange­nehm machen, dass es sich lan­ge nicht danach anfühlt. Wenn dir Sport erst ein­mal nicht liegt oder du sonst eher kei­nen Sport treibst, dann kannst du dich dem The­ma in meh­re­ren Schrit­ten nähern.

  1. Begin­ne mit ein­fa­chen For­men der Bewe­gung. Ein­mal schnel­len Schrit­tes um den Häu­ser­block stei­gen, die Stu­fen neh­men und zwar zwei auf ein­mal, eine Run­de Rad­fah­ren, ein paar Situps, den Ein­kauf zehn­mal in die Höhe stem­men. Die ein­fa­chen Turn­übun­gen, die du noch aus der Volks­schu­le kennst (wil­des Ren­nen, Ham­pel­mann, Rad schla­gen) eig­nen sich auch her­vor­ra­gend. Gewöh­ne dich ein biss­chen an das (gute) Gefühl.
  2. Fin­de DEINEN Sport. Ob du bei den Klas­si­kern Rad­fah­ren, Jog­gen, Schwim­men und Wan­dern dabei bist oder lie­ber auf Ping Pong, Zum­ba und Was­ser­ski setzt – die Aus­wahl ist ziem­lich groß. Ver­such dich ver­gleichs­wei­se an etwas Bekann­tem und etwas Neu­em und sieh, was dir mehr Spaß macht. Wel­cher Bewe­gungs­typ bist du? Was denkst du: Brauchst du die Moti­va­ti­on der Grup­pe oder bewegst du dich lie­ber allei­ne, um abschal­ten zu kön­nen? Bist du kom­pe­ti­tiv oder sozi­al? Magst du medi­ta­ti­ve Lang­stre­cken­for­men oder tau­gen dir kur­ze Kräf­ti­gungs­übun­gen? Ist Ball­sport total deins oder brauchst du rich­ti­ges Aben­teu­er? Nervt dich die Equip­ment­su­che oder bist du ein Gad­get-Typ? Je bes­ser du dei­ne Vor­lie­ben kennst, des­to ein­fa­cher wird die Auswahl.
  3. Equip­ment ist zu Beginn nicht wich­tig. Eine kur­ze oder län­ge­re beque­me Hose und ein ein­fa­ches T‑Shirt rei­chen meis­tens. Je nach Sport­art sind vor allem gute Schu­he eine zu erwä­gen­de Inves­ti­ti­on und vor allem für bein­in­ten­si­ve Sport­ar­ten wie Tan­zen, Lau­fen, Bad­min­ton gesund­heit­lich wich­tig. Wenn du zwei Mal einen neu­en Sport gemacht hast und Gefal­len dar­an fin­dest, kannst du dar­über nach­den­ken, in spe­zi­el­le Schu­he zu inves­tie­ren. Das Equip­ment ist nicht die Vor­aus­set­zung, son­dern die Fol­ge von Sport. Lass dich nicht davon brem­sen, dass du kein ein­zi­ges Funk­ti­ons-T-Shirt oder die pas­sen­de Schlüs­sel­ta­sche besitzt. Statt­des­sen ach­te gut auf dei­nen Kör­per, wär­me dei­ne Mus­keln zu Beginn locker auf und hör früh genug auf, bevor du müde wirst. 
  4. Star­te lang­sam, wirk­lich lang­sam. Zu stei­le Starts sind die häu­figs­ten Grün­de dafür, dass jemand mit Sport früh wie­der auf­hört. Es wird bes­ser, schnel­ler und spür­ba­rer früh genug, ver­spro­chen! Gera­de dann, wenn du es lang­sam angehst. Hier gilt immer das Cre­do: Lie­ber öfter pro Woche klei­ne Ein­hei­ten als eine Sport­bom­be am Stück. Häu­fig­keit und Regel­mä­ßig­keit sind zu Beginn wich­ti­ger als Dau­er und Intensität. 
  5. Baue dei­ne Sport­ein­hei­ten in den All­tag ein. Aber was heißt das genau? Ver­bin­de kur­zes Sport­pro­gramm in Wenn-Dann-Bedin­gun­gen gedank­lich und real mit dei­nen All­tags­ak­ti­vi­tä­ten oder dei­nem Frei­zeit­pro­gramm. „Vor dem Duschen nur noch kurz Lau­fen.“ „Vor dem Essen nur noch kurz zum Bäcker mit dem Rad.“ „Vor dem Früh­stück nur schnell die­se Gym­nas­tik.“ „Auf dem Weg ins Café vor­her noch ins Stu­dio auf eine Bad­min­ton-Ein­heit.“ „Vor den Pom­mes nur eine kur­ze Run­de schwim­men.“ Das „nur noch schnell“ ist der gedank­li­che Trick: Kür­zer ist tat­säch­lich bes­ser als gar nicht und es wird der Start belohnt, nicht das Ziel, also das Begin­nen, nicht das Been­den. Wie lan­ge du dann noch wei­ter­läufst, ‑schwimmst, ‑fährst, kannst du unter­wegs ent­schei­den, da redet der inne­re Schwei­ne­hund schon nicht mehr mit. Der hat ja sehr wohl vor dem Start noch eine star­ke Stimme.
  6. Gib dei­nem Kör­per Zeit. Um die posi­ti­ven Wir­kun­gen von Sport zu ent­fal­ten, braucht es ein biss­chen Geduld. Du musst die ers­te Hür­de über­win­den, die ers­ten Tage, an denen du schwitzt, stöhnst und dich auf dein Sofa wünschst. Krämp­fe und Mus­kel­ka­ter soll­test du aber trotz­dem ver­mei­den, sie sind ein Zei­chen von zu star­ken Belas­tun­gen. Dein gan­zer Orga­nis­mus braucht Zeit, sich auf neue Bewe­gungs­for­men ein­zu­stel­len, auch wenn du das zu Beginn nicht ein­mal beson­ders stark spürst.
  7. Star­te heu­te. Begin­ne mit dei­nem Mini­mal­pen­sum gleich heu­te. Was du heu­te sofort schaffst, ist ein gutes Mini­mal­pen­sum für die Zukunft.

Bei gene­rel­len kör­per­li­chen Beschwer­den kon­sul­tie­re bes­ser vor­her einen Arzt. Du wirst aber lei­der eher kei­nen Arzt fin­den, der dir grund­sätz­lich von Bewe­gung abrät, sorry. 🙂 

Wie kannst du sicher­ge­hen, dass du den guten Vor­satz nicht wie­der brichst?

Der Trick ist mini­ma­les Com­mit­ment:1Oder „mini­ma­le Kon­ti­nui­tät“. Gabrie­la HERPELL: »Das wah­re Pro­blem ist das Anfan­gen, nicht das Tun«. Inter­view mit Tho­mas Baschab. Süd­deut­sche Maga­zin, 1.2.2022 Was ist das mini­mals­te Ver­spre­chen, zu dem du dich durch­rin­gen kannst? Wel­che Art von Bewe­gung schaffst du in jedem Fall regel­mä­ßig ohne gro­ßen Auf­wand und ohne gro­ße Anstren­gung? Dazu ver­pflich­test du dich, die­ses mini­ma­le Ver­spre­chen ringst du dir ab. Das könn­ten etwa zwei Klimm­zü­ge jeden Mor­gen oder 15 Minu­ten Lau­fen zwei­mal pro Woche sein. Wich­tig ist, dass es ein­fach schaff­bar ist – es kann sogar lächer­lich ein­fach sein! – und dass du dich dazu ver­pflich­test, in die­ser Rou­ti­ne nicht weni­ger zu machen.

Wenn du möch­test, kannst du manch­mal ein klei­nes biss­chen mehr machen, wei­ter lau­fen, noch ein paar Situps anhän­gen. Nur nicht weni­ger. Irgend­wann wird es dann natür­lich von selbst pas­sie­ren, dass dir das klei­ne Pen­sum so leicht von der Hand geht, dass du es stei­gern möch­test. Begin­ne dann damit, ein­fach immer ein biss­chen mehr zu machen. Erst wenn du merkst, dass du immer sowie­so mehr machst, erhöhst du dein mini­ma­les Com­mit­ment auf die­ses Level. Stei­ge­re dich lang­sam und nur dann, wenn es sich von selbst gut ergibt.

Stu­di­en zei­gen, dass das eine gute Stra­te­gie ist, an einer Sache dran­zu­blei­ben. Sehr oft ist ein Schei­tern von guten Vor­sät­zen damit ver­bun­den, dass die Zie­le zu opti­mis­tisch und unrea­lis­tisch hoch gesteckt sind. Ver­ebbt die ers­te Eupho­rie, lässt sich das Pen­sum nicht mehr hal­ten und man wirft leicht das Hand­tuch. Mit dem mini­ma­len Com­mit­ment hast du bes­se­re Chan­cen, eine Rou­ti­ne zu eta­blie­ren, die sich für dich ange­nehm anfühlt (und kei­ne Qual ist), im All­tag bestehen blei­ben kann (und nicht durch Wich­ti­ge­res ver­scho­ben wird) und durch ihre mode­ra­te, lang­sa­me Stei­ge­rung nicht Gefahr läuft, dem Über­for­de­rungs­schock zum Opfer zu fallen.

  • Kei­ne Moti­va­ti­ons­tricks nötig. Wenn dein Pen­sum nied­rig genug ist und dein Mini­mal­pro­gramm an Sport gut in dei­nen All­tag passt, dann ist es auch nicht unan­ge­nehm. Des­halb soll­test du auch kei­ne beson­de­ren Moti­va­ti­ons­tricks auf­wen­den müs­sen, um das Pen­sum an die­sen Tagen erfül­len zu kön­nen. Die Moti­va­ti­on kann gut aus der Sache selbst ent­ste­hen. Umfang­rei­che Musik-Play­lists, Beloh­nungs­pro­gram­me und Selbst­über­zeu­gung zei­gen dir zu Beginn eher nur, dass du dir dei­ne Zie­le zu hoch steckst.

Wei­ter­le­sen:

Was hat dir gehol­fen, als du mit Sport (wie­der) begon­nen hast?

Lite­ra­tur

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    Oder „mini­ma­le Kon­ti­nui­tät“. Gabrie­la HERPELL: »Das wah­re Pro­blem ist das Anfan­gen, nicht das Tun«. Inter­view mit Tho­mas Baschab. Süd­deut­sche Maga­zin, 1.2.2022
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Lonely Pea

Fühlt sich ziemlich allein in der Schote und träumt von Obstsalat. Schreibt in der Zwischenzeit Texte.

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