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Kat­ja KULLMANN: Die Sin­gu­lä­re Frau (2022)

Ist die Single-Frau wirklich so bemitleidenswert? Katja Kullmann blickt detailreich und liebevoll auf das Leben heute alleinstehender Frauen.
Katja Kullmann: Die Singuläre Frau

Kat­ja KULLMANN fin­det unglaub­lich vie­le unter­schied­li­che Begrif­fe für die allein­ste­hen­de Frau, die Sin­gle-Frau, die Solis­tin, die „Frau ohne Beglei­tung“. Sie ent­wi­ckelt auf ihren Sei­ten einen eige­nen Begriff – die Sin­gu­lä­re Frau – der zwar noch auf das Sin­gle-Sein anspielt, aber die posi­ti­ve Sei­te betont: Die Sin­gu­lä­re Frau sucht nicht, sie führt ein erfüll­tes, ehr­li­ches Leben. 

Heu­te sind 40 % der Bevöl­ke­rung in New York allein­ste­hen­de Frau­en, in Ber­lin sieht es (oder sah es 2010 zumin­dest noch) ähn­lich aus (S. 137f). Die Frau ohne Beglei­tung ist unbe­re­chen­bar, undurch­sich­tig und wird gefürch­tet wie bewun­dert. Sie ist viel­leicht unfrei­wil­lig allei­ne, viel­leicht bewusst, viel­leicht irgend­wo dazwi­schen. Die Sin­gu­lä­re Frau bekommt viel ab – von innen und außen. Von innen die Selbst­zwei­fel (Ist das alles, was du zustan­de gebracht hast? Bist du des­halb allein?), von außen die boh­ren­den Fra­gen: Wo ist dein Mann? War­um bist du allein? Woll­test du kei­ne Kin­der? Viel­leicht ist da ein Seh­nen nach den vie­len „mög­li­chen Selbst­en“, die man sein hät­te kön­nen, wie man leben hät­te kön­nen. Uner­füll­te Leben, unge­leb­te Leben, die „wie Unter­mie­te­rin­nen in mir wohnen“.

„Das Sing­le­se­in wird oft als Über­gangs­pha­se zwi­schen roman­ti­schen Bezie­hun­gen betrach­tet. Es wird als eine Lebens-Peri­ode gese­hen, nicht als eine Lebens-Form.“

—Kat­ja Kull­mann, S. 130.

Aber genau die­sen schlech­ten Ruf möch­te Kat­ja Kull­mann ändern. Man bekommt nicht nur den Ein­druck, sie habe es sich in ihrem eige­nen Leben recht gut, also ehr­lich, reif und offen für Neu­es ein­ge­rich­tet, son­dern auch, sie hät­te sich durch die kom­plet­te Lite­ra­tur zum The­ma gele­sen und prä­sen­tiert dar­aus das Gros und die Gus­tos aller Erkennt­nis­se. Sie ver­webt ihre eige­ne per­sön­li­che Geschich­te mit vie­len Bei­spie­len aus der Lite­ra­tur, um der Geschich­te und dem Wesen der Frau ohne Beglei­tung näher zu kom­men. Das gelingt ihr nicht nur aus­ge­spro­chen sym­pa­thisch, son­dern auch glaub­wür­dig, weil sie auch kei­nen Zwei­fel uner­wähnt lässt und der Ehr­lich­keit Raum gibt. Sie ver­klärt das Allein­sein nicht, aber lässt sich auch ein Ver­teu­feln nicht bie­ten. Ihre Erzäh­lun­gen sind glaub­wür­dig (und oft ein Schlag in die Magen­gru­be), ihre Erkennt­nis­se nach­voll­zieh­bar, die Erleb­nis­se nach­fühl­bar. Ihre zur Schau gestell­te Emo­tio­na­li­tät ist kei­ne weh­lei­di­ge, son­dern stets posi­tiv, humor­voll und offen. 

Nicht zuletzt beschreibt Kull­mann die Not­wen­dig­keit neu­er, kur­zer, freund­li­cher Begeg­nun­gen zwi­schen Men­schen, die Allein­ste­hen­de und Ein­sa­me durch die Tage tra­gen hel­fen: „Zufalls­zwi­schen­mensch­lich­keit“ benennt die­se schö­ne Art des all­täg­li­chen Kontakts.


Kat­ja Kull­mann ist Autorin, Erzäh­le­rin und Jour­na­lis­tin und lebt in Ber­lin. Die Sin­gu­lä­re Frau ist ihr fünf­tes Buch. @katja.kullmann auf Insta­gram.

Kat­ja KULLMANN (2022): Die Sin­gu­lä­re Frau. Han­ser Ber­lin, 3. Aufl. 336 Seiten.

→ Ver­zeich­nis lie­fer­ba­rer Bücher (VLB)
→ Han­ser Ver­lag
→ Web­site der Autorin

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Lonely Pea

Fühlt sich ziemlich allein in der Schote und träumt von Obstsalat. Schreibt in der Zwischenzeit Texte.

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